Engagement ja, aber nicht alleine und nicht ohne Gott

Leo Dehon wurde am 14. März 1843 in La Capelle, Frankreich, geboren. Nach seinem Schulbesuch studierte er zunächst auf Wunsch seines Vaters Jura. Doch schon früh hatte er auch eine Berufung zum Priester gespürt, und so begann er nach seiner Promotion ein Theologie- und Philosophiestudium in Rom.

Nach seiner zweiten Promotion und mit der Aussicht auf eine Karriere innerhalb der Kirche erfolgte ein Bruch in P. Dehons Leben: Er wurde als Kaplan in die Arbeiterstadt St. Quentin im Norden Frankreich geschickt. Dehon selbst gab zu: „Das war absolut das Gegenteil von dem, was ich mir seit Jahren gewünscht hatte: ein Leben des Gebetes und der Studien.“

Doch P. Dehon packte an: Auf dem Höhepunkt der Sozialen Frage erkannte er, was den Arbeitern und ihren Kindern, die oft genug ohne Schulbildung bereits in den Fabriken mitarbeiten mussten, fehlte: „In St. Quentin fehlen als Aktionsmittel ein kirchliches Gymnasium, ein Jugendzentrum und eine katholische Zeitung.“ Alle drei kamen durch P. Dehons Engagement zustande und haben zum Teil bis heute Bestand.

Um eine Gesellschaft christlich gestalten zu können, braucht man Menschen, die dazu in der Lage sind. Bildung war das Schlüsselwort für ihn. Gleichzeitig jedoch spürte P. Dehon: Die Aktion und Engagements nahmen ihn so sehr in Anspruch, dass sein Gebetsleben mehr und mehr zu kurz kam und die Quelle seines Arbeitens zu versiegen drohte. Engagement ja, aber nicht alleine und nicht ohne Gott: Dies waren wohl die Gründe, die P. Dehon 1878 dazu brachten, eine Gemeinschaft, die Herz-Jesu-Priester, zu gründen. Ihren Ursprung hat die Ordensgemeinschaft also in der Glaubenserfahrung P. Dehons.

Es ist dieselbe, die der heilige Paulus zum Ausdruck bringt mit den Worten: „Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.“ (Gal 2,20)

Die geöffnete Seite und das durchbohrte Herz Jesu sind für P. Dehon der Ausdruck einer Liebe, deren wirkende Gegenwart er in seinem eigenen Leben erfährt. In dieser Liebe Christi, der den Tod annimmt als letzte Hingabe seines Lebens für die Menschen und als Gehorsamsakt des Sohnes gegenüber dem Vater, sieht P. Dehon die Quelle des Heils.

Aus dem Herzen Jesu, am Kreuz geöffnet, wird der Mensch mit dem neuen Herzen geboren, belebt vom Heiligen Geist und verbunden mit seinen Brüdern und Schwestern in der Gemeinschaft der Liebe.

Diese enge Bindung an Christus, die aus innerstem Herzen kommt, muss sich verwirklichen in einem Leben, das geprägt ist von äußerster Aufmerksamkeit für die Menschen, im Besonderen für die Mittellosen, und von der Sorge, den pastoralen Unzulänglichkeiten der Kirche seiner Zeit wirksam Abhilfe zu schaffen.

Der Blick auf den Gottessohn wurde für P. Dehon zu einem Blick auf eine Kraft, die nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Gesellschaften verwandeln kann, hin zu mehr Gerechtigkeit, zu mehr Liebe.

Am 12. August 1925 starb P. Leo Dehon in Brüssel.